Chronik

Die Geschichte der Schützengilde Ems – Einen

 Wenn die Schützengilde Ems – Einen ihr traditionelles Schützenfest am ersten Wochenende im Juli feiert, ist ganz Einen auf den Beinen. Das Dorf hat sich herausgeputzt. Überall wehen weiß-grüne Fahnen und alle Straßen sind geschmückt. Viele Gäste aus unseren Nachbargemeinden kommen nach Einen, um dieses tolle Fest hautnah mitzuerleben. Der Schützengeist schwebt über dem Golddorf. Das war nicht immer so.

 Die Gründung

 Die Vereinsgeschichte beginnt an einem Stammtisch im Jahre 1952. Die Mitglieder des “Piepenclubs” beschlossen in der Gaststätte Thönnissen einen Schützenverein zu gründen. Albert Künne, Anton Voges, Heinrich Schmidt, Anton Sandmann, Wilhelm Drügemöller, Aloys Tönnissen, Rulef Krahle sowie Wilhelm Kortwinkel und Heinrich Kimmina waren die Gründer des Schützenvereins in Einen. Die Schützengilde Ems – Einen war geboren. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es weder in Einen noch in Müssingen einen Schützenverein. Die Entscheidung, ob der neue Schützenverein eine Bruderschaft oder eine Gilde werden sollte, fiel erst deutlich später. Die knappe Mehrheit war für eine Gilde. Das erste Schützenfest des neuen Schützenvereins fand außerhalb des Dorfkerns am “Vossknapp” in Einen statt. Der Wettstreit um die Königswürde fand noch nicht durch Schießen auf einen Vogel statt. Wer die meisten Ringe auf einer Scheiben erzielte war der Sieger und somit der neue König. Am Anfang einer langen Königsreihe steht der Name Albert Künne. Mit seiner Ehefrau Anna waren sie das erste Regentenpaar und gleichzeitig Thron, da es eine Throngesellschaft noch nicht gab. Der Königsball fand im Gründungsjahr in der Gaststätte Biedendieck in Milte statt.

Im 2. Jahr zählte der junge Verein 12 Mitglieder, die ihr Schützenfest auf dem Hofe Münsterkötter in Vechtrup feierten. Der Königsball wurde in der Gaststätte Thönnissen in Müssingen veranstaltet. Der 1. Vorsitzende Albert Künne stiftete die erste Vereinsfahne. In den Anfangsjahren wurde nicht marschiert, sondern die Aktiven wurden mit einem LKW zum jeweiligen Schützenplatz gefahren.

In den Jahren 1954 bis 1957 fand das Schützenfest mit Vogelschießen und Festball in der Gaststätte Wesselmann in Einen statt. 1956 gab es den ersten Schützenzug mit Pferden und Kutschwagen. An der Spitze gab der Oberst Anton Schröder die Richtung vor. An die Seite gestellt wurden ihm schon zwei Adjutanten. Dass die Mitgliederzahl im Jahre 1957 sprunghaft auf 60 Schützenbrüder anwuchs, muss man den persönlichen Anstrengungen des Pfarrers Moritz Meißen zurechnen. Außerdem hat Pfarrer Meißen mit Aloys Blömker und dem Lehrkörper unserer Dorfschule in diesem Jahr einen Kindernachmittag mit lustigen Spielen eingeführt. Das Aushängeschild eines jeden Schützenvereins ist seine Ehrengarde.

1959 war es in der Schützengilde soweit. Etwa 20 Personen gehörten der jungen Formation an. Die Aufgaben des Kommandeurs übernahm Heinrich Tewes, der durch unermüdlichen Einsatz unsere Ehrengarde zu großem Ansehen im Kreis Warendorf verhalf. Er wurde in den Anfangsjahren vom Oberst Anton Schröder bei der Ausbildung der jungen Männer unterstützt. Auf der Wiese hinter dem Pastorat fanden von 1958 bis 1961 das Ringen um die Königswürde und die Kinderbelustigung statt. In der Zeit von 1958 bis 1971 traf man sich zu den gemütlichen Königsbällen in der Gaststätte Tigges bzw. später Terlutter.  Das erste Winterschützenfest der Gilde fand am Sonntag, den 05. Februar 1961 statt.

 10 Jahre später

 Da 1962 zehn Jahre seit der Gründung ins Land gegangen waren, konnte ein kleines Jubiläum gefeiert werden. Grund genug sich eine neue Vereinsfahne anzuschaffen. Auch unter einem anderen Aspekt brach in diesem Jahr für die Gilde eine neue Epoche an. Es wurde erstmals in den Emsniederungen an der Velsener Straße das schon traditionelle Schützenfest mit Hampelmann- und Vogelschießen gefeiert. Die neue Schützenwiese war von Wilhelm Suer gepachtet worden. Der erste Kaiser in der Geschichte der Schützengilde war im Jahre 1965 Heinrich Schmidt. Das Winterschützenfest wurde 1968 von dem bis dahin üblichen Sonntag auf den Samstag verlegt, erstmals am 20. Januar. In diesem Jahr gab es noch eine wichtige Neuerung in der Gilde. Die feierliche Krönung wurde zum ersten Mal durch fünf eigene Fahnenschläger aus der Ehrengarde bereichert.

Bis zum Jahre 1969 wurden die Schützenfeste immer nur an einem Tag gefeiert. Das änderte sich ab dem Jahre 1970. Nach mehreren Versuchen wurde beschlossen, das Fest auf Samstag und Sonntag auszuweiten, so geschehen am 04. und 05. Juli 1970. Im gleichen Jahr war unsere Ehrengarde Ausrichter des jährlich wechselnden Kreisehrengardentreffens. Dieser 30. August war sicherlich für die Gilde, aber auch für die ganze Gemeinde ein großartiges Ereignis. Über 400 aktive Schützen einschließlich der Spielmannzüge aus dem Gebiet des Altkreises Warendorf nahmen am Aufmarsch und Umzug teil.

In einer Mitgliederversammlung wurden am 19. Juni 1971 Heinrich Schmidt und Wilhelm Lilienbecker wegen ihrer großen Verdienste um die Gilde zu den ersten Ehrenmitglieder ernannt. Auf dem Schützenfest in diesem Jahr trat zum ersten Mal der Spielmannszug “Rote Husaren” aus Telgte auf.

Größere Anschaffungen waren im Jahr 1972 fällig. Auf dem neuen Schützenplatz wurde eine Toilettenanlage gebaut. Außerdem wurden noch 50 Gewehre ohne Schloss für die Ehrengarde angeschafft. Da ab diesem Jahr die Festbälle in der Reithalle des Reiterhof zum Emstal  stattfinden sollten, musste auch noch der Ankauf eines Fußbodens erfolgen. Trotz dieser starken finanziellen Anstrengungen konnte man den großen Regen nicht verhindern. Das Schützenfest fiel buchstäblich ins Wasser. Wegen der Fußballweltmeisterschaft wurde 1974 der traditionelle Termin des Schützenfestes um acht Tage verschoben. Es hat sich gelohnt, denn Deutschland wurde Weltmeister. Die Eintragung ins Vereinsregister erfolgte im Jahre 1975.

 Nach 25 Jahren

 Ein neuer Höhepunkt in dem Vereinsleben war am 02. und 03. Juli 1977 das 25- jährige Jubiläum. Gekrönt wurde dieses tolle Ereingis noch mit dem Sieg unserer Ehrengarde auf dem Kreisehrengardentreffen in Ostenfelde, der die Wanderstandarte nach Einen brachte. Somit trafen sich am 28. August 1978 zum zweiten Mal alle Ehrengraden des Altkreises Warendorf in Einen. Ebenfalls findet in diesem Jahr das erste Biwak auf dem Schützenplatz mit großem Erfolg statt. Bis zu diesem Zeitpunkt feierte man die gemütlichen Abende bei den Schützenbrüdern Karl Schmitz bzw. Heinrich Tewes  in deren Scheunen.

Vielfältige Arbeiten waren auf dem neuen Schützenplatz notwendig. Ein neuer Vogelschießstand  mit Kugelfang wurde 1980 angeschafft.  Außerdem wurde der Schützenplatz zur Verschönerung rundherum bepflanzt. Ein Jahr später erhielt die Toilettenanlage eine Überdachung, ein eigener Stromanschluss wurde gelegt und mit dem Bau der ersten Schützenhalle begonnen.

Das Aufräumen nach den Festtagen war immer mit viel Arbeit und Schweiß verbunden. Anschließend wurde aber auch noch gemütlich und ohne Stress zusammen gesessen und Nachlese gehalten. Auch wurde dabei mit unterschiedlichsten Begründungen ein Montagskönig gekrönt. Der erste König war 1981Willi Schulte. Im folgenden Jahr wurden unsere Senioren zum ersten Seniorenkaffee in die neue Schützenhalle eingeladen. Gleichzeitig gab es auf diesem Schützenfest für alle Besucher als Neuerung eine große Verlosung.

 Und 30 Jahre später ?

 Neue Uniformen für alle Offiziere und Ehrengardisten wurden im Jahre 1984 angeschafft. Ein Jahr später kaufte die Schützengilde den angepachtete Schützenplatz. “Aller guten Dinge sind drei.”, sagt ein altes Sprichwort: 1985 gewann eine hochmotivierte Ehrengarde in Füchtorf wieder die Wanderstandarte, so dass ein Jahr später zum dritten Mal in unserem schönen Ort das Kreisehrengardentreffen stattfand.  Da die Schützengilde Eigentümer des Schützenplatzes geworden war, stand weiteren arbeitsintensiven  Baumaßnahmen nichts mehr im Wege. In vielen unendgeldlichen Arbeitsstunden und mit großer persönlicher Eigeninitiative wurde Einiges vollbracht. 1987 wird die zweite Halle und 12 Monate später die dritte Schützenhalle errichtet, in die auch ein neuer Toilettentrakt eingebaut wurde. Damit auch alles seine Ordnung hat, wurde auf dem Biwak im Jahre 1989 von Pastor Buttgereit und Pastor Schmidt der gesamte Schützenplatz geweiht und seiner offiziellen Bestimmung übergeben.

cropped-Sp011101-01.jpgZum Ende der achtziger Jahre fanden, über den Schützenbruder Klaus Harbecke  angestoßen, mit dem Schützenverein der Gemeinde Küstelberg im Sauerland Besuche und Gegenbesuche statt. Der gewaltiger hölzerner Adler, der unter dem Dach der Schützenhalle schwebt, kommt aus Küstelberg und wurde von den ehemaligen Schützenkönigen gestiftet.

 40 Jahre nach der Gründung

 1992 galt es das 40 jährige Bestehen zu feiern. An dem Freitagabend vor dem eigentlichen Schützenfest trafen nach einem Sternmarsch viele Schützenbrüder aus Einen und Müssingen mit zahlreichen Musikern auf dem Platz zwischen Kirche und Heimathaus ein. Ein stimmungsvolles Fest wurde gefeiert, welches mit dem Großen Zapfenstreich vor der Kirche endet. Von diesem Abend berichtete das WDR – Fernsehen live in der “Aktuellen Stunde”.

Aus diesem Jahr gibt es noch eine Besonderheit zu berichten: Der beste Schütze an der Vogelstange war der Kommandeur unserer Ehrengarde, Manfred Lichel. Da er aber schon die Kaiserwürde errungen hatte, wurde er zum Zar Manfred gekrönt.

Viel Arbeit und aufwendige Vorbereitungen mit dem Herrichten der Reithalle waren 1994 Geschichte. Erstmals wurde auf dem Schützenplatz an der Ems ein großes Festzelt aufgebaut.  Nach 35 Jahren Vereinsführung übergab Bernhard Lilienbecker als 4. Präsident die Geschicke der Gilde im Jahre 1996 an Bernhard Güldenarm. Der alte Chef wird zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Damit auch in Zukunft der Schützenplatz im Sinne der Gilde genutzt werden kann, wurde 1997 das Grundstück käuflich erworben, auf dem alljährlich das Festzelt aufgebaut wird. Für unsere Ehrengarde war das Jahr 1999 ein besonders Jahr. Sie konnte auf eine 40 jährige Tradition zurückblicken. Viele Gastvereine waren gekommen, um zu diesem runden Geburtstag zu gratulieren.

Die Schützengilde Ems – Einen kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Diese Tradition, verbunden mit lebendigem Schützengeist, lässt einen positiven Ausblick für die Zukunft zu.

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